Dies ist das zwölfte Kapitel des Geschichtenprojekts 23, in dem mehrere YouTuber abwechselnd eine Geschichte schreiben.
Hier sind die vergangenen Teile der Geschichte: http://www.youtube.com/view_play_list?p=8869DA0A82D09D9E
Kapitel 12 - Die Jagd
Wenige Stunden später hatte die Anstrengung den erstarrten Gesichtsausdruck der Angst aus Diegos Gesicht vertrieben. Sein Atem ging schwer als er sein Team so schnell er konnte auf den Waldabschnitt zu führte, den ihm dieser verfluchte Perez gezeigt hatte. „Ich bin doch nur ein Bauer in einem beschissenen Schachspiel" dachte er sich. „Diesen seelenlosen Wissenschaftlern geht es nur darum, ihre kostbaren Versuchskaninchen wieder zu bekommen und zurück zu dieser Scharade zu befördern, die sie ‚New Hope' nennen." Diegos Mundwinkel verzogen sich zu einem zynischen Grinsen. „No Hope" hätte man dieses Nest eigentlich taufen müssen.
Schon seit Stunden irrten Rodriguez und seine Männer durch einen Teil des Waldes dessen Baumdecke so dicht war, dass er bei Tag fast noch dunkler wirkte als bei Nacht. Die Wölfe waren ihnen auf den Fersen wie besessene Schatten. Ihr Heulen erklang so unheimlich als ertöne es aus der eigenen Seele und nicht von außen. Und es wurde lauter. Vier Köder hatten seine Männer bereits abgeworfen. Frisches Rehfleisch, das Diego auf diese Mission mitgenommen hatte. Ein leichte Beute, die sich kein Wolf so hätte nehmen lassen. Aber dies waren keine gewöhnlichen Wölfe. Sie schienen an dem saftigen Wildfleisch genau so viel Interesse zu haben wie an einem Stapel Wertpapierderivate.
Manchmal erzählte Diego seinem Sohn Schauergeschichten über sie, diese unnatürlichen Tiere, die sich so gar nicht verhielten wie überall sonst auf der Welt. Er tat das, weil Manuel sich gerne gruselte. Aber auch, um ihn von dem Wald fernzuhalten. Plötzlich lichtete sich der Wald und riss Diego aus seinen Gedanken. Ein Teich kam zum Vorschein an dessen Rand hockte, scheinbar gedankenverloren, ein Mädchen mit schulterlangem braunem Haar. Ein Knacksen schreckte sie auf. Sie fuhr hoch. Es war sie. Er hatte sein Ziel gefunden.
„Miss Dixon?" fragte er und versuchte soviel Vertrauen in seine Stimme fließen zu lassen, wie er konnte. Sei vorsichtig, ermahnte er sich. Sie ist ein Halbblut. Du kannst Ihr nicht trauen! „Miss Dixon. Haben Sie keine Angst. Wir sind hier, um sie herauszuholen. Sie sind jetzt in Sicherheit." Er lächelte und streckte seine leeren Hände beruhigend von sich.
In diesem Augenblick griffen sie an.
Es ging so schnell, dass drei von Diegos Männern mit offenen Kehlen am Boden lagen bevor auch nur ein Schuss gefeuert wurde. Dann brach das Chaos aus. Alle Männer feuerten wild durcheinander. Aber sie wussten nicht, worauf. Zwischen ihren Schreien und dem Dickicht schnellten graue Gestalten hervor. Sie kamen aus den Büschen und aus den Bäumen. Sie griffen mit scharfen Klauen und blutigen Zähnen an und zogen sich wieder in ihre Deckung zurück als wären es trainierte Guerillakämpfer. „Das kann doch alles nicht wahr sein", durchzuck-te es Diegos Gedanken. Aber er hob seine automatische Waffe und feuerte mit ruhiger Hand kurze gezielte Schüsse ab während er sich schützend vor das Mädchen stellte. Ein Hagel aus Silberkugeln zerfetzte das Gebüsch. Er war sich sicher, zumindest einen von ihnen erwischt zu haben, als sie urplötzlich aufhörten. Diego beobachtete die rauchdurchflutete Stille genau als ganz nah neben ihm plötzlich jemand sprach.
„Geh, hinfort, Diego Rodriguez Vasquez. Unser Disput ist nicht mit Dir und Deinen unnatürlich riechenden schwarzen Kriegern. Das hier ist nicht Dein Kampf."
Diego erschrak sich halb zu Tode und machte einen Satz zur Seite. Neben ihm stand ein verwildert aussehender Mann der nicht ganz wie ein Mann aussah. Er hielt sich mit der Pose eines Königs und seine Augen leuchteten mit dem blau eines klaren Bergsees. Nicht nur, dass dieses Wesen seine Sprache sprechen konnte. Es kannte auch noch seinen Namen. Diego ließ seine Waffe fallen, hob seine Hände und wich langsam rückwärts. Das also musste ein Diavolo sein. Er hätte nie gedacht, dass er jemals lebendig einen zu Gesicht bekommen würde. Er entschloss sich, diesen Ort zu verlassen, solange er noch konnte.
Aber als er sich umdrehte, spürte er einen plötzlichen Schmerz in der Brust, der wie ein gleißendes Licht seinen ganzen Körper durchzuckte und anschließend einer dumpfen Taubheit wich. Der Puls, der ihm so in den Schläfen gerast war, ertönte langsamer und seltener. Diego blickte auf seine Brust und sah dass das Mädchen ihm die Haarnadel mitten in sein Herz gerammt hatte. Eine gottverdammte antike Haarnadel, ausgerechnet! Das Design kam ihm vage vertraut vor, aber sein Blick verschwamm zusehends. Jessica blickte zu ihm herauf und in ihrem Blick lag etwas Irres und Beängstigendes.
Diegos letzter Gedanke galt seiner Familie, aber sein letzter Blick fiel auf das Mädchen. Der irre Blick wich aus ihrem Gesicht und sie starrte ihn mit einem Ausdruck des überraschten Schreckens an.
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